Kein Set-up-Call, keine persönliche Einführung durch die Personalabteilung. Einfach die VR-Brille in die Hände gedrückt bekommen und los. So sieht es die Theorie zwar nicht vor, kann in der Praxis aber vorkommen. Kurz zur Einordnung: Normalerweise laden wir unsere VR-EasySpeech-Kund:innen, oft Mitarbeitende der Personalentwicklung, zu einem Setup-Call ein, bevor das VR-Training in den jeweiligen Unternehmen startet. In diesen Calls nehmen wir gemeinsam die VR-Brille in Betrieb, führen die Kund:innen durch die VR-EasySpeech-App und zeigen ihnen die Einstellungen und Detailstatistiken in ihrem Account auf www.easy-speech.de. Ihnen liegen nun alle notwendigen Informationen vor, um das anschließende Intro für die potenziellen VR-Nutzer:innen zu übernehmen.
Aber was passiert, wenn keine Einführung durch die Personalentwicklung folgt und VR-Nutzende auf sich alleine gestellt sind? Wir haben uns gefragt, wie das VR-Training für Mitarbeitende läuft, die außer einem Anleitungsvideo keinerlei Informationen zur VR-Brille und VR EasySpeech bekommen. Folglich habe ich mich als absoluter Neuling für einen Selbsttest bereit erklärt und geschaut, wie gut das Training mit VR EasySpeech in Eigenregie funktioniert.
Pre-Training: Noch 40 Minuten bis zum Start
Notebook aufklappen, Link öffnen, Brille wählen und Anleitungsvideo starten – mein Selbsttest begann mit einer kinderleichten Navigation über die Set-up-Webseite. Dank der bildlichen Darstellung der unterschiedlichen VR-Brillen konnte ich problemlos das mir vorliegende Modell (Pico G3) auswählen, ohne den Modellnamen kennen zu müssen.

© Redaktion / Verlag Dashöfer GmbH
Das Anleitungsvideo, der Kern des Userbereichs, war in 14 kurze Kapitel aufgeteilt. Ich konnte Schritt für Schritt die Brille einrichten, die VR-EasySpeech-App starten und mich langsam mit der Bedienung vertraut machen. Dementsprechend musste ich mir auch keine Minutenanzahl im Video merken, falls ich noch mal zu einem bereits erklärten Punkt zurückkehren wollte. Stattdessen konnte ich bei Bedarf den jeweiligen Abschnitt einfach von vorne abspielen lassen. Dabei habe ich besonders die Länge der einzelnen Kapitel als sehr angenehm empfunden – kompakt und mit einer maximalen Dauer von ca. 1 Minute. Intuitiv habe ich mir nach jedem Kurzvideo die VR-Brille geschnappt, um das frisch Erlernte umzusetzen. Der Haken: Ich musste oft die Brille auf- und wieder absetzen, wenn ich das nächste Kapitel auf meinem Notebook starten wollte.
Nach den ersten 5 Kapiteln war die Brille eingeschaltet, der Controller verbunden, das WLAN eingerichtet und ich kannte jetzt die Trigger- sowie die Pico-Taste. Anschließend wurde gezeigt, wie die VR-EasySpeech-App gestartet werden kann. Hier fehlte mir ein Hinweis darüber, dass sich die Anordnung der App-Bibliothek innerhalb der VR-Umgebung verändert. Nach einigem Herumprobieren fand ich heraus, dass immer die zuletzt verwendete App an erster Stelle der Bibliothek zu finden ist, anders als im Anleitungsvideo. Die Kapitel 9 und 10 vermittelten Wissen über die Auswahl der Module inklusive der möglichen Einstellungen. Hierbei war besonders hilfreich, dass direkt erwähnt wurde, worauf der Fokus in den unterschiedlichen Modulen liegt. Bei der Stegreifrede beispielsweise geht es um das spontane Referieren über ein vorgegebenes Thema. Das Modul Eigene Präsentation bot hingegen die Möglichkeit, eigens erstellte Folien hochzuladen und mit denen zu üben. Da ich mich während des Selbstversuchs auf keinen konkreten Vortrag in der realen Welt vorbereiten musste, würde ich vorwiegend die Stegreifrede und die Musterpräsentation nutzen, um meine Rhetorik zu verbessern.

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Mein erstes Fazit: Der gesamte Einrichtungsprozess sowie die Navigation und der Aufbau der App waren leicht zu verstehen. Das Anleitungsvideo war praxisnah aufgebaut und das Einrichten schnell erledigt – auch trotz des mehrmaligen Auf- und Absetzens der VR-Brille. Und für alle, die wie ich gerne vorab wissen wollen, wie viel Zeit etwas in Anspruch nimmt, habe ich den Taschenrechner gezückt: Insgesamt und inklusive aller Kapitel kam das Anleitungsvideo auf knapp 8 Minuten. Die Zeit für das tatsächliche Einrichten der Brille und das Nachahmen der Videos, um sich mit der VR-Umgebung vertraut zu machen, kamen noch obendrauf. Bei mir hat es zwischen 30 und 45 Minuten gedauert, bis ich bereit für das eigentliche VR-Training war – wobei diese Zeit von Person zu Person variieren kann.
All eyes on me – einzelne Trainingsmodule im Test
Ich entschied mich direkt zu Beginn meines Selbstversuchs dafür, möglichst viele Module und Einstellungen zu testen. Also hielt ich über mehrere Tage verteilt virtuelle Stegreifreden und Musterpräsentationen vor 10, 250 und 500 Personen – das Ganze fand in 3 unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen statt: einfach, mittel und schwer.
Die Stegreifrede
An meinem ersten Trainingstag entschloss ich mich für einen sanften Einstieg – eine Stegreifrede vor 10 Personen mit einer Rededauer von 2 Minuten. Der mir zufällig zugewiesene Begriff: Kaffee. Hier ein sneak peak am Rande: Andere Themen waren unter anderem Italien, der Einfluss von Bezugspersonen, Cat Memes und weitere – je nach Modul und Schwierigkeitsgrad.

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Auch wenn ich schon viele Präsentationen in meinem Leben gehalten habe, stellte ich sehr schnell fest, dass ein spontanes Thema die Sache kniffliger macht. Vor allem, wenn man wie ich gar keinen Kaffee trinkt. Und was im Anschluss passierte, war beeindruckend: Obwohl ich wusste, dass gerade keine realen Leute vor mir sitzen, wurde ich nervös – so, als hätte mein Gehirn die Situation als echt interpretiert und mein Körper reagierte darauf. Ich hatte 10 Sekunden, um mich gedanklich und mental auf meine Rede vorzubereiten und dann ging es los. Ich sprach also bis zur 40-Sekunden-Marke über das Thema Kaffee und dann passierte nichts mehr. Die Brille hatte sich aufgehangen. Das Szenario von eben war nur noch halb vor mir, während die rechte Hälfte ein schwarzes Bild zeigte. Hinter mir war die Szenerie auf den Kopf gestellt. Nachdem sich auch nach einigen Minuten nichts tat, setzte ich die Brille ab und rief mir den FAQ-Bereich auf der Webseite auf. Ich schaltete die Brille aus und anschließend wieder ein. Beim erneuten Aufrufen des Moduls sah ich, dass die Session dennoch ausgewertet wurde. Da ich jedoch nicht wusste bis zu welchem Punkt, verbuchte ich meine erste Rede als klassischen Vorführeffekt – der Fehler trat während meiner gesamten Testphase kein weiteres Mal auf.
Nach jeder Session konnte ich frei entscheiden, ob ich ein erstes Feedback direkt in der VR-Umgebung erhalten wollte oder nicht. Um meinen persönlichen Fortschritt nachvollziehen zu können, ließ ich jedes meiner Trainings sofort auswerten. Folglich erhielt ich nach jeder Stegreifrede ein Ergebnis, welches sich aus 9 unterschiedlichen Kriterien zusammensetzte: Blickkontakt, Redegeschwindigkeit, Pausen, Deutlichkeit, Füllwörter, Wortwiederholung, Tonalität, Sentiment und Relativierer. Ich empfand es als sehr praktisch, dass ich bei vielen der Rubriken konkrete Hinweise dazu bekam, was ich beim nächsten Mal besser machen kann. Hier drei Beispiele:
- Die optimale Redegeschwindigkeit liegt bei 110 bis 150 Wörtern pro Minute
- Eine Aufzählung meiner meistgenutzten Füllworte (also, ja) und Weichmachern (vielleicht, könnten)
- Eine Zusammenfassung der Worte, die ich am meisten wiederholte (unterschiedlich je nach Thema)
Einzig für die Kategorie Blickkontakt war das direkte Feedback aus der VR-Umgebung für mich nicht ausreichend. Es gab nur einen allgemeinen Tipp: Den Augenkontakt gleichmäßig mit dem Publikum halten. Über den Userbereich konnte ich detailliertere Auswertungen einsehen. Die Heatmap zeigte mir, dass ich mit den hinteren Publikumsreihen am längsten Blickkontakt hielt und mein Verbesserungspotenzial sich in der Zuhörerschaft vorne links verbarg. Zusätzlich gab mir der Zeitverlauf einen hilfreichen Einblick darüber, wie oft ich länger als mindestens 3 Sekunden den Augenkontakt halten konnte. Auch zu anderen Qualitätsmetriken wie der Redegeschwindigkeit, den Wortwiederholungen etc. fand ich ein umfangreiches Feedback – jetzt wusste ich noch besser, wo ich bei meiner nächsten Trainingseinheit ansetzen konnte.

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Die Musterpräsentation
Mein zweiter Fokus für den Selbsttest lag auf den Musterpräsentationen. Wie bei jedem anderen VR-EasySpeech-Modul auch, oblag mir die Auswahl, vor wie vielen Menschen ich sprechen wollte und wie schwierig das mir zufällig zugeteilte Thema sein sollte. Es gab jedoch zwei wesentliche Unterschiede bei diesem Modul: Im Gegensatz zu der Stegreifrede war die Redezeit hier unlimitiert. Ich hatte auch keine 10-sekündige Vorbereitungszeit, stattdessen konnte ich entscheiden, wann die Präsentation starten sollte. Außerdem gab es vorbereitete Präsentationsfolien, die ich während meines Vortrags nutzen konnte. Die Bewertungskriterien waren identisch zu denen aus der Stegreifrede. Ich brauchte für meine Musterpräsentationen im Schnitt zwischen 10 und 15 Minuten und die vorbereiteten Folien boten mir eine gute Sicherheit, wenn ich mit dem vorgegebenen Thema mal nicht so firm war.
Ich dachte, dass ich bereits die gesamte Navigation aus meinen bereits abgeschlossenen Trainings kennen würde – bis sich zum Ende meiner ersten Präsentation ein großes Fragezeichen ergab. Ich war am Schluss angekommen, es waren keine Folien mehr übrig. In diesem Moment ging ich davon aus, dass sich die Sitzung nach der letzten Präsentationsfolie von selbst beenden oder ich gefragt werden würde, ob ich mit meinem Vortrag fertig bin. Aber es kam nichts. Ich guckte mich in der VR-Umgebung um. Übersah ich einen Knopf oder Button zum Beenden der Übung? Ich fand nichts. Irgendwann kam ich auf die Idee, den Pause-Button auf dem Controller zu drücken, um auf diesem Wege meine Präsentation zu beenden. Hier hätte ich in der Modulbeschreibung zuvor einen Tipp zum Beenden der Musterpräsentation hilfreich gefunden.
Was meine Performances betraf: Je länger meine Rededauer, desto mehr Zeit bot sich mir Worte unbewusst zu wiederholen und vermehrt Füllworte einzubauen – diese Erkenntnis konnte ich wie auch bei der Stegreifrede über meinen VR-EasySpeech-Account gewinnen. Ebenso konnte ich neue Einblicke über meine Wortwahl erlangen (positiv vs. negativ).

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Post-Training: Mein Fazit
Nach meinem zweiwöchigen Selbsttest kann ich sagen: Das Training mit VR EasySpeech hat super für mich funktioniert. Das Anleitungsvideo enthielt alle wichtigen Informationen, um allein starten zu können. Der Zeitraum war gut, um in verschiedenen Modulen zu trainieren, mich mit der VR-Umgebung vertraut zu machen und ein Bewusstsein für mein persönliches Verbesserungspotenzial zu schaffen.
Und wie steht es um den Tragekomfort? Die VR-Brille saß angenehm auf Kopf und Nase. Auch die Anpassung auf meinen Kopfumfang war problemlos möglich. Wenn ich aber statt Kontaktlinsen meine normale Brille trug, hatte ich anfangs Sorge, dass diese durch die VR-Brille verbogen werden könnte. Mit der Zeit legte sich die Angst, aber dennoch bekommt der Tragekomfort einen kleinen Abzug.
Würde ich ein Training mit VR EasySpeech empfehlen? Meine Kurzantwort: Ja! Es gibt allerdings ein aber. Egal ob in Eigenregie oder nicht: Für ein Training mit VR braucht es mehr als eine zuverlässige Hardware (VR-Brille, Laptop) und eine stabile Internetverbindung. Der Trainingserfolg steht und fällt mit den nicht physischen Bedingungen: Mitarbeitende bzw. Nutzende müssen eine offene Einstellung zum Thema Virtual Reality mitbringen und die Möglichkeit haben, in einer ruhigen Umgebung zu trainieren. Die Unterstützung von Arbeitgebenden, genügend Zeit für das VR-Training freizuräumen, ist dabei ebenso zentral für den Erfolg im Training als auch danach.
Ein abschließender Tipp an die Personalentwicklung
Liebe Personalentwickler:innen, ihr seht, ein selbstständiges VR-Onboarding funktioniert. Mit wenig Aufwand könnt Ihr euren Mitarbeitenden jedoch zu einem noch leichteren Start und besseren Trainingserfolgen verhelfen. Durchlauft den Einrichtungsprozess, testet die relevantesten Module (z. B. Stegreifrede und Eigene Präsentation) und notiert euch offene Fragen und Unklarheiten. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass eure Mitarbeitenden an den gleichen Stellen ins Stocken geraten werden. Wer schreibt, der bleibt! Wie wäre es zusätzlich mit einem kleinen Self-Service-Handout für eure Mitarbeitenden bzw. VR-Nutzenden? Dort ist Platz für die wichtigsten Informationen wie:
- Bevor ihr mit dem VR-Training startet: Achtet auf ein scharfes Bild innerhalb der VR-Umgebung. Ist das Bild unscharf, unbedingt den Sitz der VR-Brille auf Kopf und Nase überprüfen.
- QR-Code oder Link zur Set-up-Webseite inklusive Anleitungsvideo: https://www.easy-speech.de/setup
- Wo der FAQ-Bereich zu finden ist: https://www.easy-speech.de/hilfe/
- Hinweise zum Upload eigener Präsentationen: https://www.easy-speech.de/eigene-praesentation.html
- Ein Blick in die Detailstatistiken lohnt sich und trägt zu einem erhöhten Verständnis für das eigene Verbesserungspotenzial bei: https://www.easy-speech.de/#onlinetrainings
- Nutzt den altbewährten IT-Trick: Wenn die Brille über mehrere Minuten nicht reagiert, dann schaltet die VR-Brille aus und anschließend wieder ein.
- Ansprechpartner:in inklusive Kontaktdaten – an wen dürfen sich eure Mitarbeitenden bei Problemen während des VR-Trainings wenden?
Insbesondere bei neuen Technologien ist es wichtig, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, Erfahrungswerte zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Ist Virtual Reality Training etwas für Sie oder Ihre Universität? Gerne beraten wir dabei, wie VR EasySpeech nach den eigenen Bedürfnissen eingesetzt werden kann – kostenlos und unverbindlich.